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28. Februar 2010
Induktionsherd – Gefahr für die Gesundheit?
Kategorie: Meldungen

Von: Interview mit Dipl. Phys. Dr. rer. nat. Peter Nießen

Das Mittagessen in wenigen Sekunden erwärmen, keine lästigen, eingebrannten Essensreste auf der Herdplatte und dabei noch bis zu 30 Prozent Energie sparen. Das alles hört sich verlockend an und ist in Form eines Induktionsherdes ab 600 Euro zu bekommen. Doch immer mehr Stimmen warnen, dass die höherfrequenten Magnetfelder, mit denen die Geräte arbeiten, dem Organismus schaden und krank machen.

Noch sind mögliche Auswirkungen auf die Gesundheit wie Krebserkrankungen, Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder Gedächtnislücken nicht abschließend geklärt. Untersuchungen über die Langzeitwirkungen niederfrequenter Felder und hochfrequenter Strahlung auf das Verhalten, die Lernfähigkeit, das Hormonsystem und den Zellstoffwechsel haben zwar Zusammenhänge zwischen Strahlung und Krebserkrankungen festgestellt. Eine Begründung hierfür wurde bislang jedoch nicht gefunden. Daher gelten die Zusammenhänge im wissenschaftlichen Sinn als unbewiesen.

humannews fragte Dipl. Phys. Dr. rer. nat. Peter Nießen, Leiter des Fachinstituts für Elektromagnetische Verträglichkeit zur Umwelt (EMVU), welche gesundheitlichen Aspekte man bei der Anschaffung eines Induktionsherdes abwägen sollte.

Welche Auswirkungen hat ein hochfrequentes Magnetfeld auf den menschlichen Körper? Und Welche gesundheitlichen Risiken hängen damit zusammen?

Dr. Nießen: Der Frequenzbereich für Induktionsherde liegt bei ca. 20 bis 50 kHz. Ich würde daher eher von einem höherfrequenten Magnetfeld sprechen, denn der Bereich der Hochfrequenz beginnt bei diesen Frequenzen ja gerade erst und reicht bis zu weit höheren Frequenzen. Durch jedes magnetische Wechselfeld werden in leitfähigen Objekten elektrische Ströme induziert. Zu den leitfähigen Objekten gehört in diesem Sinn auch der menschliche Körper. Die induzierten Ströme steigen linear mit der Frequenz und der Stärke des Magnetfeldes an. Dies ergibt sich aus dem ganz normalen Induktionsgesetz der Elektrotechnik. Elektrische Ströme im Körper können bekanntlich zu vielfältigen Effekten führen, beginnend mit einer Nervenstimulation bzw. -reizung sowie vielen weiteren medizinischen Folgen.

Welchen Studien gibt es über die biologischen Wirkungen eines Magnetfeldes?

Dr. Nießen: Niederfrequente Magnetfelder sind seit langem bei der Frequenz der Stromversorgungsnetze bekannt; d.h. 50 Hz in Europa, 60 Hz in Amerika. Es gibt vielfältige Untersuchungen zu den Auswirkungen der Magnetfelder in diesem Frequenzbereich. Spezielle Untersuchungen zu dem Frequenzbereich der Induktionsherde sind uns jedoch nicht bekannt. Dass aber die biologische Wirkung des Magnetfeldes mit seiner Frequenz zunächst linear ansteigt ist allgemein bekannt und auch Grundlage der Grenzwerte der 26. Bundes-Immissionsschutzverordnung (BImSchV): Die zulässigen Höchstwerte des Magnetfeldes fallen daher (im Frequenzbereich von 1 bis 800 Hz) linear mit der Frequenz von 5000 μT (bei 8 Hz) auf 6,25 μT (bei 800 Hz). Relativ bekannt sind die Einzelwerte bei 16 2/3 Hz (Bahnstrom) mit 300 μT und bei 50 Hz (Netzwechselstrom) mit 100 μT.

Von 800 Hz bis 150 kHz liegt der Grenzwert dann bei 6,25 μT, d.h. der Grenzwert sinkt nicht weiter, obwohl die induzierten Ströme auch in diesem Frequenzbereich (ab 800 Hz aufwärts) weiter mit der Magnetfeldfrequenz ansteigen.

Der Gesetzgeber begründet dies u.a. mit der Tatsache, dass hochfrequente Ströme weniger tief ins Gewebe eindringen (Skin-Effekt). Aus unserer Sicht ist es durchaus zweifelhaft, dass die biologischen Wirkungen ab 800 Hz nicht weiter ansteigen, denn die gesetzlichen Grenzwerte beziehen sich bekanntlich ausschließlich auf Spontaneffekte, d.h. solche Auswirkungen, die gesunde junge Probanden bei Anwesenheit eines solchen Magnetfeldes unmittelbar an ihrem Körper spüren. Langzeiteffekte bleiben bei den gesetzlichen Grenzwerten unberücksichtigt.

Wie kann man sich vor Magnetfeldern schützen?

Dr. Nießen: Praktische Möglichkeiten zur Abschirmung der Magnetfelder bestehen kaum. Da das Magnetfeld mit dem Abstand von der Kochstelle abnimmt, ist es immer sinnvoll, die Aufenthaltsdauer in der Nähe der Kochstelle möglichst gering zu halten. Weiterhin sollte der verwendete Topf möglichst eher eine Nummer zu groß für die Kochstelle sein, damit das Magnetfeld möglichst weitgehend im Topfboden bleibt und möglichst wenig Streufeld nach außen dringt.

Ansonsten: besser einen normalen Herd verwenden.

Quelle: www.humannews.de

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