Meldungen als RSS - Feed abonnieren
Jetzt bookmarken:del.icio.usMister Wonggoogle.comYahooMyWebWebnewsYiggItlive.com
Meldungen
20. Februar 2012
Wie Migräne-Patienten ihre Lebensqualität verbessern können
Rubrik: Meldungen

Von: MigräneLiga e.V.

Tipps und Empfehlungen eines Kopfschmerzexperten

Quelle: ©MigräneLiga e.V.

In Deutschland sind mindestens acht Millionen Menschen von Migräne betroffen. Die meisten von ihnen fühlen sich durch die neurologische Erkrankung erheblich beeinträchtigt. Studien zeigen, dass die Lebensqualität durch Migräne sogar stärker abnimmt als durch andere chronische Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder Bluthochdruck. Denn Migräne-Patienten leiden nicht nur unter Kopfschmerzen, sondern auch an Vorurteilen der Umwelt und werden oft medizinisch nicht richtig behandelt. Dr. med. Axel Heinze, leitender Oberarzt in der Schmerzklinik Kiel, erläutert, worauf es ankommt, was Migräne-Patienten unbedingt wissen sollten und wie sie ihre Lebensqualität verbessern können.

Kann der Arzt mit einfachen Methoden die Diagnose Migräne stellen oder sind Spezialuntersuchungen notwendig?

Die Diagnose ergibt sich aus der typischen Beschreibung der Beschwerden und einem unauffälligen neurologischen Untersuchungsbefund. Sie kann damit im wahrsten Sinn des Wortes in der ärztlichen „Sprechstunde“ gestellt werden. Spezielle Zusatzuntersuchungen wie eine Untersuchung des Gehirns mittels Computertomographie oder Magnetresonanztomographie sind nur bei Zweifel an der Richtigkeit der Diagnose erforderlich.

Wann ist der beste Zeitpunkt, um Schmerzmittel bei einem akuten Migräneanfall zu nehmen?

Freiverkäufliche Schmerzmittel wirken in aller Regel umso besser, je früher in der Migräneattacke sie eingenommen werden. Zwar können spezifische Migränemittel wie die Triptane, auch noch in einer fortgeschrittenen Attacke wirksam sein, aber auch hier ist der Behandlungserfolg besser bei rechtzeitiger Einnahme.

Die Grundregel ist, dass Medikamente dann eingenommen werden sollten, wenn man sich sicher ist, dass sich eine Migräneattacke entwickelt, d. h. nicht erst auf dem Höhepunkt der Attacke, aber auch nicht bei den ersten Zeichen leichter Kopfschmerzen.

Was muss ich bei der Einnahme von Schmerzmitteln noch beachten?

Richtig eingenommen können Schmerzmittel bei vielen Patienten eine Migräneattacke zuverlässig lindern oder sogar beenden. Neben der rechtzeitigen Einnahme und einer ausreichenden Dosierung sollte jedoch unbedingt eine Kombination mit einem Mittel gegen Übelkeit erfolgen. Am bekanntesten sind hier die beiden rezeptpflichtigen Substanzen Metoclopramid und Domperidon. Sie bekämpfen nicht nur die migränebedingte Übelkeit, sondern verbessern und beschleunigen auch die Aufnahme der Schmerzmittel. Erst damit haben die Schmerzmittel eine wirkliche Chance zu wirken. Die Empfehlung der zusätzlichen Einnahme von Mittel gegen Übelkeit gilt übrigens auch für Triptane in Tablettenform.

Was passiert, wenn ich regelmäßig Schmerzmittel einnehme?

Problematisch ist es, wenn Kopfschmerzen an zehn oder mehr Tagen im Monat auftreten. Wird hier jede Kopfschmerzattacke mit Schmerzmitten oder Triptanen behandelt, droht die Entwicklung eines Kopfschmerzes bei Medikamentenübergebrauch. Es kann zur paradoxen Situation kommen, dass Schmerzmittel selbst wieder Schmerzen erzeugen. Durch vorbeugende Maßnahmen muss hier unbedingt vorher die Migränehäufigkeit gesenkt werden und im Zweifelsfall auch in Abständen eine einzelne Migräneattacke unbehandelt ausgehalten werden. Hat sich das Vollbild eines Kopfschmerzes bei Medikamentenübergebrauch entwickelt, hilft nur noch eine längere Medikamentenpause für alle Schmerzmittel und Triptane. Hilfe bieten hier Kliniken, die auf die Behandlung chronischer Kopfschmerzerkrankungen spezialisiert sind.

Welche Möglichkeiten für eine natürliche Therapie gibt es, die nicht mit Nebenwirkungen belastet?

Die Deutsche Migräne und Kopfschmerzgesellschaft stuft in ihren Empfehlungen zur Vorbeugung der Migräne den Pestwurzextrakt Petasites, Vitamin B2, Coenzym Q10 und Magnesium als wirksam und damit empfehlenswert ein. Die Verträglichkeit ist dabei hervorragend. Damit muss nur bei schweren und sehr häufigen Migräneattacken auf die stärker wirksamen, aber auch nebenwirkungsträchtigeren Substanzen aus der Gruppe der Betablocker, Antiepileptika oder Antidepressiva zurückgegriffen werden.

Sind Nahrungsmittel wie Schokolade oder Käse wirklich Auslöser für einen Migräneanfall?

Auslöser von Migräneattacken können vielfältiger Natur sein. Typisch sind zum Beispiel der Hormonabfall vor der Menstruation, Stresssituationen bzw. die Erholung nach dem Stress oder auch Störungen im Schlaf-Wach-Rhythmus. Nicht selten werden auch Lebensmittel oder Genussmittel angeschuldigt. Im Einzelfall kann das durchaus zutreffend sein. Man denke nur an Alkohol oder Gerichte, die mit dem Geschmacksverstärker Natriumglutamat „verbessert“ wurden. Der vielzitierte Schokoladengenuss hingegen ist kein Auslöser von Migräneattacken. Der Heißhunger auf Süßes ist vielmehr ein Vorbote der Migräneattacke. Die Migräne kommt, unabhängig davon, ob man dem Appetit nach Schokolade nachgibt oder nicht.

Kann man durch Ernährung die Migräne verbessern?

Tatsächlich hat das Essen einen großen Einfluss auf die Migräne, denn einer der potentesten Migräneauslöser ist Fasten. Die Migräne wird nicht dadurch ausgelöst, dass etwas Falsches gegessen wird, sondern einfach zu wenig. Man denke nur an das erzwungene Fasten vor einer morgendlichen Nüchternblutabnahme beim Arzt oder vor einem operativen Eingriff. Eine regelmäßige Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr über den Tag verteilt , ist eine einfache, aber wirksame Verhaltensregel für jeden Betroffenen.

Was können Frauen bei menstrueller Migräne tun?

Migräneattacken zur Regel gelten als besonders hartnäckig. Sie halten häufig mehrere Tage an und sprechen auf Medikamente mehr recht als schlecht an. Auslöser ist der Hormonabfall unmittelbar vor der Regel. Die einfachste und effektivste Empfehlung lässt sich nicht immer umsetzen: Schwanger werden! Alternativ käme theoretisch in Betracht, dem Hormonabfall durch eine Hormongabe (z. B. mittels Östrogenpflaster) vorzubeugen. Studien zeigen aber, dass hierdurch die Migräne nur um ein paar Tage nach hinten verschoben wird. Anders sieht es aus, wenn Frauen sowieso die „Pille“ zur Verhütung benutzen. Wird in Rücksprache mit der behandelnden Frauenärztin bzw. dem Frauenarzt auf eine Einnahmepause nach drei Wochen verzichtet, kann nicht nur das Auftreten der Regel, sondern damit eben auch der regelassoziierten Migräne verhindert werden. Steht diese Behandlungsmöglichkeit nicht zur Verfügung, sollte für eine optimale Attackenbehandlung gesorgt werden: Hochwirksam ist eine Kombination aus einem Mittel gegen Übelkeit (z. B. Metoclopramid), einem langwirksamen Schmerzmittel (z. B. Naproxen) und einem Triptan.

Wie kann man Migräne ohne Medikamente behandeln?

Die entscheidenden Verhaltensregeln zur Migränevorbeugung lassen sich ganz einfach zusammenfassen: Einhalten eines regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus (auch am Wochenende), Achten auf eine regelmäßige Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr, Aufnahme eines regelmäßigen Ausdauersports mindestens 3x pro Woche und schließlich das Erlernen und Praktizieren eines Entspannungsverfahrens. Nur wenn trotzdem noch häufig Migräneattacken auftreten, ist eine medikamentöse Vorbeugung erforderlich.  

Welche Möglichkeiten für eine natürliche Therapie gibt es, die nicht mit Nebenwirkungen belastet?

Die Deutsche Migräne und Kopfschmerzgesellschaft stuft in ihren Empfehlungen zur Vorbeugung der Migräne den Pestwurzextrakt Petasites, Vitamin B2, Coenzym Q10 und Magnesium als wirksam und damit empfehlenswert ein. Die Verträglichkeit ist dabei hervorragend. Damit muss nur bei schweren und sehr häufigen Migräneattacken auf die stärker wirksamen, aber auch nebenwirkungsträchtigeren Substanzen aus der Gruppe der Betablocker, Antiepileptika oder Antidepressiva zurückgegriffen werden.

Immer wieder tauchen „Modetherapien“ wie die Migränechirurgie auf, die angeblich Migräne heilen können. Was raten Sie Patienten?

Eine Migräne kann heute zwar in der Regel gut behandelt werden, aber bedauerlicherweise hat nicht jeder Patient auch immer Zugang zu einer modernen Migränetherapie. Der daraus resultierende Leidensdruck ist Nährboden für eine unübersehbare Zahl von sogenannten „alternativen“ Therapieverfahren. Allen diesen Therapien ist gemein, dass sie den Nachweis von Wirksamkeit und Verträglichkeit nicht erbracht haben. Man erkennt dies daran, dass sie keinen Eingang in die aktuellen Therapieleitlinien gefunden haben. Von solchen, meist auch teuren Verfahren sollte unbedingt Abstand genommen werden.

Was kann man tun, wenn der Arzt nicht die Arzneimittel verschreibt, die helfen?

Leidet ein Patient im eigentlichen Sinn des Wortes unter einer Migräne, bedarf er einer professionellen Hilfe durch einen engagierten und interessierten Hausarzt, einen Neurologen und/oder einen Schmerztherapeuten. Aufgrund des zunehmenden Wissenstandes ist die Behandlung heute komplex und individualisiert, aber eben auch effektiv. Beste Ansprechpartner für Behandlungsmöglichkeiten vor Ort sind die zahlreichen Selbsthilfegruppen, die unter dem Dach der MigräneLiga e.V. Deutschland organisiert sind.

Besteht ein Zusammenhang zwischen Migräne und (depressiven) Erschöpfungsyndrom?

Migränepatienten haben im Vergleich zu der nicht betroffenen Bevölkerung ein um den Faktor 3 erhöhtes Risiko, im Leben an einer behandlungsbedürftigen Depression zu erkranken. Damit wird keine Aussage getroffen, ob Migräne Folge einer depressiven Störung ist, eine chronische Migräne zu Depressionen führen kann oder die beiden Erkrankungen unabhängig voneinander bei einem Individuum bestehen können.

Habe ich als Migränepatient Anspruch auf Anerkennung als Schwerbehinderung?

In den sogenannten „Anhaltspunkten für die ärztliche Gutachtertätigkeit im sozialen Entschädigungsrecht und nach dem Schwerbehindertenrecht“ wird die Migräne aufgeführt. Je nach Häufigkeit und Dauer der Anfälle und Ausprägung der Begleiterscheinungen werden eine leichte, mittelgradige bzw. schwere Verlaufsform unterschieden. Bei einer schweren Verlaufsform, die definiert wird als „langdauernde Anfälle mit stark ausgeprägten Begleiterscheinungen, Anfallspausen von nur wenigen Tagen“ kann ein Grad der Behinderung von 50-60 von Hundert zuerkannt werden. Die MigräneLiga hat großen Anteil daran, dass Migräne heute als Schwerbehinderung anerkannt ist.

Wo bekommen Migräne-Patienten Unterstützung?

Die MigräneLiga e. V. Deutschland ist die wichtigste und größte gemeinnützige Patientenorganisation für Menschen mit Migräne. Unter ihrem Dach sind allein in Deutschland über 100 Selbsthilfegruppen aktiv. Hauptaufgabe ist die Information von Patienten und Betroffenen und die Durchsetzung der Interessen von Migränepatienten gegenüber Behörden und Institutionen. Informationen zu den regelmäßigen bundesweiten und regionalen Veranstaltungen sowie die Ansprechpartner der örtlichen Selbsthilfegruppen können auf der Homepage unter www.migraeneliga.com abgerufen werden.

Über aktuelle Entwicklungen und neue Therapien informieren können sich Mitglieder und Patienten in der viermal jährlich erscheinenden Zeitschrift Migräne-Magazin.

Weitere Informationen auch unter: info@migraeneliga.com

 

Dr. Axel Heinze

Leitender Oberarzt

Neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel

Heikendorfer Weg 9-27

24149 Kiel

www.schmerzklinik.de

 

Weitere Informationen auch unter:

Migräne Liga e.V. Deutschland, Unter der Ruth 9, 65462 Ginsheim-Gustavsburg, E-Mail: info@migraeneliga.com, Internet: www.migraeneliga.com

<h1> </h1>