Von: Dipl.-Psych. Nirmal Herbst, Universitätsklinikum Freiburg
Studienteilnehmer gesucht
Am Universitätsklinikum Freiburg wird eine Internettherapie für Zwangserkrankungen auf ihre Wirksamkeit untersucht. Studienteilnehmer gesucht.
Seit kurzer Zeit bietet das Universitätsklinikum Freiburg ein neuartiges Therapieprogramm für Menschen mit Zwangserkrankungen an. Das Programm „Zwänge Aktiv Konfrontieren“ (ZAK) wurde in den vergangenen Monaten intensiv vorbereitet und startete Anfang Juni. Die psychotherapeutische Behandlung erfolgt dabei vor allem über das Internet. Bislang werden fünf Patientinnen und Patienten betreut, insgesamt stehen 40 Therapieplätze für Betroffene zur Verfügung. Interessierte können sich über die Projekthomepage www.zwaenge.uniklinik-freiburg.de anmelden.
„Mit der Internettherapie begeben wir uns in Freiburg auf Neuland“, sagt Diplom Psychologe Nirmal Herbst von der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg. „Allerdings liegen bereits positive Erfahrungen mit der Internettherapie aus anderen Städten vor, auf die wir uns stützen können.“ So hätten unter anderem die Arbeitsgruppen von Professor Alfred Lange (Amsterdam), Professor Andreas Maercker (Zürich), Professor Christine Knaevelsrud (Berlin) die Internettherapie erfolgreich eingesetzt. „Die dortigen Erfahrungen haben gezeigt, dass das Internet wirkungsvoll als Kommunikationsplattform für die Therapie psychischer Erkrankungen genutzt werden kann“, so der Psychologe.
In Freiburg wird das Programm im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie überprüft, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird: Menschen mit Zwangserkrankungen erhalten daher eine freiwillige und kostenlose psychotherapeutische Behandlung. Therapeutische „Gespräche“ erfolgen hierbei ausschließlich in schriftlicher Form über das Internet. Leiterin der Studie ist Diplom-Psychologin Dr. Anne Katrin Külz, die am Freiburger Universitätsklinikum die Spezialambulanz für Zwangserkrankungen und die AG Zwangsstörungen leitet.
Kooperationspartner sind Professor Ulrich Voderholzer, der die Schön Klinik Roseneck als Ärztlicher Direktor leitet, und Professor Christine Knaevelsrud von der Freien Universität Berlin.
„Das neue Angebot soll auch eine Lücke in der Versorgung von Zwangserkrankten schließen“, sagt Nirmal Herbst. „Zum einen scheuen viele Menschen, die unter Zwängen leiden, den Gang zum Psychologen. Zum anderen gibt es nur sehr wenige Therapieplätze für Zwangsstörungen.“ Gerade in Regionen, die ohnehin psychotherapeutisch unterversorgt seien, könnte die Internettherapie die herkömmliche Therapie ergänzen und so zur Verbesserung der Versorgungssituation beitragen.
„Die Behandlung basiert auf der kognitiven Verhaltenstherapie, der laut vielen Untersuchungen bisher wirksamsten Behandlung von Zwangsstörungen“, erklärt Projektkoordinator Herbst: „Sie ist auf acht Wochen angelegt und verläuft anhand einer festgelegten Abfolge. Die Inhalte umfassen Informationen und Übungen, sowohl in schriftlicher wie in praktischer Form.“ Ein bedeutender Fokus liege dabei auf der Vorbereitung und Durchführung von Expositionen („Reizkonfrontation mit Reaktionsmanagement“). Durchgeführt und wissenschaftlich ausgewertet wird die Behandlung von klinisch ausgebildeten Diplom-Psychologinnen und -Psychologen.
Teilnehmen können Menschen, die aktuell an einer Zwangserkrankung leiden, zwischen 18 und 65 Jahren alt sind, weder aktuell in Psychotherapie sind, noch in den letzten fünf Jahren eine Psychotherapie erhalten haben sowie Zugang zu einem PC mit Internetverbindung und E-Mail-Adresse haben.
Weitere Informationen zur Studie und zu den Ein- und Ausschlusskriterien finden sich auf der Projekthomepage www.zwaenge.uniklinik-freiburg.de.
Kontakt:
Dipl.-Psych. Nirmal Herbst
Universitätsklinikum Freiburg Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie
Tel.: 0761 270-69770 E-Mail: nirmal.herbst@uniklinik-freiburg.de