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16. Januar 2011
Schlechtes Zeugnis - So sollten Eltern reagieren
Rubrik: Familie, Kinder und Jugend

Von: www.humannews.de

Quelle: ©Rainer Sturm / pixelio.de

Auch für die Eltern ist jetzt Zeugnistag: Der Umgang mit den Noten der Kinder stellt auch den Eltern ein Zeugnis aus. „Der Umgang der Eltern mit den Ergebnissen des Zeugnisses legt erst recht den Grundstein für das Scheitern im nächsten Schuljahr“, gibt Dr. med. Marlene Marthaler, Vorsitzende des Berufsverbandes der Ärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie Deutschlands (BKJPP) in Rheinland-Pfalz, zu bedenken. Haben Kinder und Jugendliche Zeugnisängste entwickelt, dann ist dies ein Indiz für eine Kommunikationsstörung in der Familie.

Jetzt haben erst einmal die Eltern Angst

"Jetzt bringe ich es hinter mich", so reagieren „Ich“-starke Kinder und Jugendliche, die sich mit ihrem Selbstbewusstsein dem möglichen Tadel stellen. Ganz anders bei selbstunsicheren, ängstlichen Kindern, deren Selbstvertrauen z.B. durch Scheidung, Umzug, Verlust eines Freundes etc. erschüttert ist. Sind dann auch noch die Noten schlecht, glauben viele, nur noch Weglaufen helfe. Kinder mit einer „Ich“-Schwäche infolge einer erlittenen Kränkungen, Versagenserfahrungen, Selbstabwertung, kompensieren ihr Versagen häufig mit auffälligem Verhalten, etwa wenn sie die Rolle des Klassenclowns spielen. Aber am Tag der Zeugnisausgabe hilft auch das nicht mehr. Sie treten die Flucht an: die betroffenen Kinder und Jugendlichen können dann z. B. von zu Hause fernbleiben: „Sie hauen ab – auch das ist eine Form der Kompensation der erlittenen Kränkung und eine Form des ‚Cool’-Seins. Auch Rachegedanken können dabei eine Rolle spielen: Jetzt haben die Eltern erst einmal Angst – darüber vergessen sie vielleicht das schlechte Zeugnis. Weglaufen ist in gewisser Weise ein Signal der Hilflosigkeit und Ausweglosigkeit“, schildert Dr. Marthaler. Sieht das Kind keine Möglichkeit des Weglaufens, bleiben als Alternativen in der scheinbaren Ausweglosigkeit für das Kind oft nur noch selbstschädigende Phantasien.

Was können Eltern besser machen?

Tipp 1: Eltern sollten für sich zulassen können, dass ihr Kind auch versagen kann. Die eigenen Versagensängste auf die Kinder zu übertragen, indem sie den Leistungs- sowie den Erwartungsdruck erhöhen, ist ein Fehler. „Kinder müssen Fehler machen können und Eltern müssen dies auch aushalten. Vielleicht ist der Schüler auf der weiterführenden Schule überfordert, man sollte vielleicht die Schulform überdenken und das Gespräch mit dem Lehrer suchen. So kann auch ein schlechtes Zeugnis dem Kind nutzen“, erläutert die Kinder- und Jugendpsychiaterin aus Bad Kreuznach.

Tipp 2: Eltern sollten mit dem Schüler das Zeugnis Note für Note in Ruhe durchgehen. Was kann man im nächsten Jahr besser machen? Und für das nächste Zeugnis: Eltern und Kinder sollten das letzte Zeugnis rechtzeitig nochmals vornehmen und schauen, wo sich die Leistungen voraussichtlich verbessert und wo verschlechtert haben. „Eltern und die Schüler wissen dann ungefähr was am Halbjahresende herauskommt – das eigentliche Zeugnis ist dann nicht mehr der Schock. So nehmen Eltern den Kindern und sich selbst den Erwartungsdruck“, rät Dr. Marthaler.

Tipp 3: Für das Kind sollte spürbar sein, dass die Eltern mit ihm eine Allianz bilden und sich nicht mit der Schule gegen das Kind stellen: „Stellen Sie sich auf die Seite ihrer Kinder“, fordert Dr. Marthaler Eltern auf.

Tipp 4: Schlechte Noten als Chance begreifen. Schlechte Noten sind ein Warnsignal – und Eltern sollten die Botschaften verstehen: ‚Es läuft etwas nicht gut – wir müssen etwas verändern.’ Schlechte Noten bedeuten ohnehin schon eine Schwächung des Selbstbewusstseins. Kommt noch elterliche Strafe dazu, kann das Kind erstrecht kein Vertrauen in eigene Fähigkeiten entwickeln. Aber wenn es mit Anleitung der Eltern aus eigener Kraft oder/und mit professioneller Hilfe die Krise schlechter Noten überwindet, hat das Kind die wichtige Erfahrung gemacht, dass es mit Engagement und elterlicher Unterstützung etwas verändern kann und gewinnt Vertrauen in die eigenen Stärken.