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Artikel
13. Oktober 2011
Wenn Geist und Körper nicht im Einklang sind - Mind-Body-Medizin als neuer Zugang zu Patienten

Von: Michèl Gehrke, M.A.

„Mind-Body-Medizin: Die moderne Ordnungstherapie in Theorie und Praxis“

Bis zu 90% aller Erkrankungen sind stressbedingt – behandelt man nur die körperlichen Symptome, ohne die mentalen Einflüsse zu berücksichtigen, kehren die Beschwerden über kurz oder lang zurück. Einen erfolgversprechenden Zugang stellt daher die Mind-Body-Medizin dar. Die 6. Summer School an den Kliniken Essen-Mitte vermittelte vom 14.-17.7.2011 Ärzten und Therapeuten die neuesten Erkenntnisse aus Forschung und Praxis.

Die Mind-Body-Medizin wird im Lehrstuhl für Naturheilkunde der Universität Duisburg-Essen erforscht und in den angeschlossenen Kliniken Essen-Mitte von einem interdisziplinären Team seit 12 Jahren angewandt. Für die von der Landesärztekammer zertifizierte Fortbildung konnten daher nationale wie internationale Wissenschaftler und Praktiker gewonnen werden. So vermittelten neben Prof. Dr. Gustav J. Dobos, Gastgeber und Inhaber des Lehrstuhls, und Dr. Anna Paul, Leiterin der Mind-Body-Medizin an den Kliniken Essen-Mitte, auch Forscher aus der Berliner Charité und der Harvard Medical School ihr Wissen aus erster Hand.

Entsprechend groß war der Andrang. Teilnehmende aus allen medizinischen Berufsgruppen und allen Alters interessierten sich für das Thema: Gleich, ob Arzt, Krankenpfleger, Psychotherapeut oder Heilpraktiker, ob noch in der Ausbildung, kurz nach Examensabschluss oder bereits seit mehreren Jahren im Beruf – fast alle Gäste berichteten, dass sie mit der rein konventionellen Behandlung ihrer Patienten allzu oft in eine Sackgasse gerieten.


Zusammenspiel von Geist und Körper

Genau hier setzt die Mind-Body-Medizin mit ihrem Grundgedanken an: Psyche und Körper beeinflussen sich gegenseitig. Verfolgt man diesen Ansatz konsequent, so kommt man zu dem Schluss: Beschwerden können auf einer körperlichen und einer gedanklich-emotionalen Ebene angegangen werden. Dies gilt besonders für stressinduzierte Krankheiten, wie sie heute besonders häufig sind. Immer mehr Menschen leiden etwa unter chronischen Magen- und Darm-Entzündungen, zu hohem Blutdruck, oder koronaren Herzkrankheiten bis hin zum Infarkt. Die körperlich sichtbaren Auswirkungen sind dabei oft das Produkt einer längeren Reihe psychischer Beschwerden oder gehen mit diesen Hand in Hand.

Dabei gilt es nicht, den Stress zu verteufeln, bzw. ihn komplett zu vermeiden. Stress ist ein Bestandteil unseres Lebens und er steigert sogar die Leistungsfähigkeit. Schädlich wird es jedoch, wenn er nicht abgebaut wird, wenn eine Rückkehr zum Normalniveau misslingt. Was krank macht, ist chronischer Stress. Laut Erhebungen der Harvard Medical School lassen sich bis zu 90% aller Arztbesuche auf eine solche Dysbalance zwischen An- und Entspannung zurückführen.


Integratives Behandlungskonzept zum Erleben

Wie kann die Mind-Body-Medizin hier nun Abhilfe schaffen? Prof. Dr. Gustav J. Dobos machte zunächst klar: Stress ist relativ. Während für den einen erst ein Fallschirmsprung stressig ist, bedeutet für den anderen bereits öffentliches Reden eine massive geistig-seelische Belastung. Ziel ist es, den Patienten in die Lage zu versetzen, seine individuelle Anspannung zu regulieren. Die Mind-Body-Medizin nutzt hierzu eine Kombination aus kognitiven Selbsthilfestrategien, Entspannungstechniken und Bewegungsübungen.

Der Clou der Summer School: Die Fortbildung verfolgte ein zweigleisiges Konzept. Zum einen wurde der aktuelle Stand der Forschung diskutiert, der v.a. bei Herz-/Kreislauf-Erkrankungen, chronischen Schmerzen, entzündlichen Erkrankungen des Darms sowie zur Linderung von Nebenwirkungen einer Krebstherapie vielversprechend ist. Darüber hinaus konnten die anwesenden Ärzte und Therapeuten sich mit den Instrumenten der Mind-Body-Medizin vertraut machen und deren Wirkung in drei Workshops am eigenen Leib (und der eigenen Psyche) nachvollziehen.

Der Workshop „Kognitive Umstrukturierung als Selbsthilfestrategie“ verdeutlichte, welchen Einfluss Gedanken auf unser Wohlbefinden haben. So wird eine Person, die einsetzenden Regen als persönlichen Affront auf sich wertet – „Immer wenn ich frei habe, regnet es!“ – mit Ärger reagieren. Erkennt diese Person aber, dass sie den Rasen nicht wässern muss und dadurch mehr Freizeit zur Verfügung hat, wird sie mit Freude reagieren und sich dadurch besser fühlen. In einem weiteren Schritt ging es also darum, eigene Denkstrukturen zu hinterfragen und negative Gedankenzirkel zu durchbrechen.

Im „Achtsamkeits“-Workshop lernten die Teilnehmer Methoden kennen, ihre Aufmerksamkeit zu steuern und sich ausschließlich auf den aktuellen Moment zu konzentrieren. Gerade im Umgang mit Stress, der die kognitiven Kapazitäten bindet und auf das Unerledigte, auf die Zukunft fixiert, ist dies besonders wertvoll, um sich mentale Entspannungsphasen zu verschaffen.

Der dritte Workshop ergänzte das Vermittelte durch körperliche An- und Entspannungsübungen beim Yoga.


Summer School erneut ein voller Erfolg

Für die Teilnehmenden war die zum 6. Mal ausgerichtete Mind/Body-Medicine Summer School ein voller Erfolg. Sowohl in der abschließenden Diskussion, als auch in einer anonymen Meinungserhebung bewerteten die Anwesenden die in der Fortbildung erworbenen Kenntnisse als hochrelevant für ihre eigene therapeutische Tätigkeit. Zur weiteren Vertiefung bietet der Lehrstuhl für Naturheilkunde auch dieses Jahr ein Aufbauseminar nach Essener Modell an. Seit 2006 leistet der Lehrstuhl damit einen wertvollen Beitrag, die Mind-Body-Medizin weitläufig verfügbar zu machen und auf diese Weise die Behandlungsqualität von Patienten zu verbessern.

Zu hoffen bleibt nur eines: Dass solche komplementären Ansätze, die wissenschaftlich fundiert sehr gute Erfolge erzielen, bald eine breitere Anerkennung in der Gesundheitspolitik erfahren, als dies momentan noch der Fall ist.

Mehr Informationen zur Mind-Body-Medizin, ihren Anwendungsgebieten und ihrer wissenschaftlich dokumentierten Wirksamkeit im Taschenbuchformat:
ISBN: 3437579304, 51,95 EUR.

Der Autor Michèl Gehrke, M.A., studierte Kommunikationswissenschaft, Germanistik und Anglistik. Seit 2011 arbeitet er in der Stabsstelle „Kommunikation und Medien“ als Assistent des
Pressesprechers der Karl und Veronica Carstens-Stiftung.



Kliniken Essen-Mitte
Kommunikation und Medien
Michèl Gehrke, M.A.
Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin
Direktor: Prof. Dr. Gustav J. Dobos
Karl und Veronica Carstens-Stiftung
Am Deimelsberg 36
Mind-Body-Medizin
D - 45276 Essen
Leiterin: Dr. Anna Paul
Tel: +49-201-174-25502
Tel: +49-201-56305-61
Fax: +49-201-56305-60

a.paul(at)kliniken-essen-mitte.de
naturheilkunde(at)kliniken-essen-mitte.de
m.gehrke(at)carstens-stiftung.de
www.kliniken-essen-mitte.de/naturheilkunde
www.carstens-stiftung.de
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