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Artikel
24. Februar 2010
Lebensretter gesucht – für Kostheimer Fynn und andere Kinder
Rubrik: Artikel

Von: Dr. Peter Gutjahr im Interview

Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Fynn Schiebeler, ein vier Jahre alter Junge aus Mainz-Kostheim, leidet an einer seltenen Form von Leukämie – nur eine Stammzellentransplantation kann sein Leben retten. Bei zwei Typisierungsaktionen am Sonntag, 28. Februar, in Mainz-Kostheim und am Mittwoch, 3. März, in Bad Sobernheim, soll ein geeigneter Spender gefunden werden. Wir sprachen mit Prof. Dr. Peter Gutjahr, er ist Leiter der Kinderonkologie im Mainzer Uniklinikum und Fynns behandelnder Arzt.

Herr Prof. Gutjahr, wie geht es Fynn zurzeit?

Erfreulicherweise gut. Er darf für ein paar Tage nach Hause, um sich zu erholen vor der nächsten Chemotherapie.

Viele krebskranke Kinder werden dank „Chemo“ wieder gesund. Warum braucht Fynn unbedingt eine Stammzellentransplantation?

Fynn leidet an einer seltenen Form von Leukämie, einer bösartigen Erkrankung, die im Knochenmark ihren Ursprung hat und die man dauerhaft nicht mit Medikamenten heilen kann. Wir können mit Chemotherapien lediglich eine Besserung erzielen, aber auch nur für eine gewisse Zeit.

Wie viel Zeit bleibt Fynn? Und wie stehen seine Chancen?

Wir wollen spätestens um Ostern herum transplantieren. Bis dahin, denken wir, können wir die Krankheit mit Chemotherapie unter Kontrolle halten. Finden wir einen Spender, liegt die Chance auf eine vollkommene Heilung bei deutlich über 50 Prozent.

Doch noch ist kein geeigneter Spender gefunden.

Richtig. Der kleine Bruder wurde getestet, kommt aber als Spender nicht in Frage. Nun suchen wir nach einem Fremdspender, dessen Stammzellen möglichst die gleichen immunologischen Eigenschaften aufweisen wie bei Fynn. Dazu wurden erst einmal weltweit die Datenbanken durchforstet, in der sieben bis acht Millionen potenzielle Spender registriert sind. Leider sind wir bisher nicht fündig geworden.

Unter Millionen war kein geeigneter Spender – machen da Typisierungsaktionen wie die geplante in Kostheim überhaupt Sinn?

Auf jeden Fall. Die Wahrscheinlichkeit, dass in Kostheim ein geeigneter Spender für Fynn gefunden wird, ist zwar gering. Aber durch solche Aktionen werden die Datenbanken immer größer – und damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit, für kranke Menschen passende Spender zu finden. Und es wäre ja auch durchaus segensreich, wenn bei der Kostheimer Aktion ein Lebensretter beispielsweise für ein Kind in Australien gefunden würde.

Was passiert mit Fynn, wenn bis Ostern kein geeigneter Fremdspender gefunden werden sollte?

Dann werden wir notfalls auf die Eltern zurückgreifen müssen. Eltern als Stammzellenspender sind „dritte Wahl“, nach Geschwistern und einem passenden Fremdspender – ein Elternteil kann immer nur höchstens 50 Prozent Übereinstimmung bei den immunologischen Eigenschaften aufweisen. Entsprechend hoch sind die Abwehrreaktionen des Körpers nach der Transplantation.

Bei der Typisierung wird lediglich etwas Blut abgenommen. Doch was kommt im Falle einer Transplantation auf einen Spender zu?

Früher – das ist aber Historie – musste der Spender eine sehr schmerzhafte Knochenmarksentnahme über sich ergehen lassen, das geschah immer unter Vollnarkose. Das ist heute ganz anders: Mithilfe eines Medikaments werden die Stammzellen im Blut des Spenders künstlich vermehrt. Dann werden diese Zellen herausgewaschen, das funktioniert ähnlich wie bei der Dialyse. Das Blut wird aus einer Arterie herausgeleitet, fließt durch einen Apparat, der die Stammzellen herausfischt und wird dann wieder in die Vene geleitet. Für den Spender ist das völlig ungefährlich.

Und wie läuft die Transplantation ab?

Eigentlich auch ganz einfach. Die gewonnenen Stammzellen werden konserviert, können also problemlos überall hingebracht werden. Der Empfänger erhält sie mit einer Transfusion. Die Stammzellen finden dann von ganz allein den Weg vom Blut ins Knochenmark. Eine feine Sache.

Was halten Sie davon, nach der Geburt Nabelschnurblut zu konservieren, um daraus später Stammzellen gewinnen zu können?

Wenig, davon raten wir in der Regel ab. Oft stellt sich heraus, dass die Menge des – für teures Geld – konservierten Nabelschnurblutes nicht ausreicht. Oder dass es nach Jahren der Aufbewahrung bakterienverseucht und nicht mehr verwendbar ist.

Das Interview führte Kirsten Strasser

Die Aktion
Die Typisierungsaktion findet statt am Sonntag, 28. Februar, 11 bis 15 Uhr, im Bürgerhaus Kostheim, Herrenstraße 17. Zur Bestimmung der Gewebemerkmale werden etwa 10 Milliliter Venenblut benötigt. Testen lassen kann sich jede gesunde Person im Alter von 18 bis 55 Jahren. Die Blutabnahme wird von qualifizierten Kräften und Ärzten durchgeführt.
Eine weitere Typisierungsaktion für Fynn wird am Mittwoch, 3. März, 17 bis 20 Uhr, in Bad Sobernheim im Emanuel-Felke-Gymnasium, Poststraße 36, stattfinden.

 

Spenden
Die Laborkosten jeder einzelnen Typisierung betragen 50 Euro. Für die Durchführung der Tests sind die Organisatoren auf Spenden angewiesen.

  • Spendenkonto: Deutsche Stammzellenspenderdatei/ARGE-KMSB
  • Deutsche Bank Frankfurt
  • Konto-Nr. 723668010
  • BLZ 50070024
  • Kennwort: FYNN

Quelle und weitere Informationen: http://www.allgemeine-zeitung.de/region/mainz/amoeneburg-kostheim-kastel/8454389.htm